
Hallo. Ich bin’s, Ketty.
Ich weiß nicht, wo du gerade bist,
aber ich habe beschlossen, dir zu schreiben.
Ich gehe gern durch Städte.
Manchmal lange.
Manchmal nur ein kleines Stück.
Ich weiß nicht immer, wohin ich gehe.
Manchmal wähle ich einen Ort,
weil er einen schönen Namen hat.
Manchmal, weil dort eine seltsame Treppe steht.
Manchmal, weil der Regen beginnt
und es sich anfühlt, als würde er mich rufen.
Ich schaue nicht wie Erwachsene.
Ich schaue auf Risse, auf Schatten,
auf Fenster, die etwas zu wissen scheinen.
Ich höre zu, wie ein Ort klingt.
Manche Orte flüstern.
Manche schweigen.
Und manche beginnen sofort zu erzählen.
Wenn ich an einen sehr schönen Ort komme,
bleibe ich zuerst stehen.
Dann gehe ich einmal herum.
Dann berühre ich ihn mit meinem Blick.
Manchmal habe ich nichts zu sagen.
Dann merke ich mir einfach,
wie der Morgen gerochen hat
und welche Farbe der Himmel zwischen den Häusern hatte.
Und dann schreibe ich eine Postkarte.
Keine lange.
Nicht über alles.
Nur über das,
was bei mir geblieben ist.
Manchmal sind es Worte.
Manchmal fast ein Gedicht.
Manchmal nur ein Gefühl,
das ich nicht verlieren möchte.
Ich werde weiterreisen.
Ohne Route.
Ohne richtige Antworten.
Und jedes Mal,
wenn mich ein Ort berührt,
bekommst du eine Postkarte von mir.
Postkarten kommen nicht nach Plan.
Sannata